Oh Baby Baby!

Berlin und ich feiern Einjähriges! Zeit für einen Rückblick: Die ersten Monate mit meinem kleinen Babylein verbrachte ich in einer merkwürdigen Bubble. Wenig Schlaf, ein klitzekleiner neuer Mensch in meinem Arm, diese riesengroße Stadt. Ich war schwer beschäftigt und tat doch immer nur dasselbe. Irrte durch die breiten Straßen und suchte auf dem wunderschönen Sophien-Friedhof II in Mitte Ruhe, wenn die Stadt und überhaupt alles zu viel wurde. Ich war ja erst acht Wochen vor der Geburt von München hierher gezogen und musste gleichzeitig Abschied und Neuanfang verdauen.

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Der Himmel der schreibenden Mutter: ein Arbeitsplatz neben dem Spielzimmer

Heute, fast zehn Monate nach Louisas Geburt, bin ich eingegroovt in meinem neuen Leben als Mama in der Hauptstadt. Aber etwas fehlt. Denn auch als Journalistin muss ich hier ankommen. Dieser Teil von mir hängt noch irgendwo in München fest. Zefix, mir fehlt das Schreiben so sehr, dass ich nachts sogar davon träume! Dann stehe ich im Morgengrauen auf, fahre den Rechner hoch und tippe los, während der Rest meiner kleinen Familie noch ein bisschen Zeit hat, bis der Tag beginnt. Ich spüre, dass ich diesen superwichtigen Teil meines Lebens nicht länger auf dem Abstellgleis parken darf. Aber was tun? Louisa hat schließlich erst ab September einen Kita-Platz.

Dann passierte dies: Eine Freundin schickte mir mit den Worten „Vielleicht was für dich“ einen Link. Zu LE BOX, einem Coworking Space mit Babybetreuung. Ich musste mich erst mal zwicken, denn ich hätte nie gedacht, dass die Lösung für mein Problem quasi um die Ecke liegt. Aber genau das ist Berlin: Es gibt alles! In solchen Momenten ist das gemütliche München verdammt weit weg. Da bin ich ganz selbstverständlich die Kiezmuddi, die nach Babys Mittagessen entspannt zum Coworking Space schiebt. Im Kinderwagen-Kofferraum: Lesestoff, Laptop und frische Windeln.

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Vordergrund macht Bild gesund

Jetzt kann man zu Recht fragen, was ich in einem Coworking Space zu suchen habe, wo ich doch eigentlich (noch) in Elternzeit bin. Ganz einfach: Ich genieße es, in Ruhe Mails zu beantworten. Ich lese auch mal einen Artikel mit Muße zu Ende. Und ja, ich arbeite an einem neuen Blog. Hoffentlich komme ich in den nächsten Wochen dazu, viele Texte zu schreiben, damit er bald online gehen kann. Meine Vorfreude ist riesig. Wenn ich an ihm arbeite, bin ich stolz wie Bolle. Denn er ist wunderschön, mein neuer Blog. Das Design kommt tatsächlich von einer Mama-Kollegin aus dem Pekip-Kurs. Kein Witz. Das Klischee stimmt: Hier in Berlin triffst du auf jeder Spielplatz-Bank eine kreative Frau mit spannendem Projekt. Das ist nicht nur verdammt inspirierend, sondern auch richtig praktisch. Gudrun ist Produktdesignerin und hat mir in ein paar Nachtschichten die Optik für meinen Blog klargemacht. Hoffentlich kann ich mich bald revanchieren und etwas für sie texten. Aber jetzt ist sie erst mal auf großem Segelturn mit Kerl und Kindern. So läuft das hier in der Hauptstadt: Heute schließt du jemanden in dein Herz und morgen löst derjenige seine Wohnung auf und geht zwei Jahre segeln.

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Hinter meinem Schreibplatz: die Kinderwagen-Garagen

Nach einem Jahr Berlin vermisse ich die Menschen in München noch immer. Die meisten meiner Freunde und auch Kollegen sind dort – und ich bin hier. Aber was ich an Energie mitbekomme, wenn ich durch meinen Kiez gehe, ist unbezahlbar. Und ich bin jeden Tag dankbar für die tollen Frauen, die meine Mama-Kolleginnen geworden sind. Am Ende hat mir Berlin aber das größte Geschenk gemacht: Hier feile ich an meinem neuen Projekt, texte ein bisschen und denke eine Idee zu Ende, während meine kleine Tochter nebenan (bestens betreut) vergnügt spielt. Ich schaffe es, Mutter und Journalistin zu sein. Und zwar komplett ohne schlechtes Gewissen. Ich finde, das ist ein richtig guter Anfang. Auf uns, Berlin!

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