Lest mehr Lyrik!

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Neulich hatte ich die Ehre, die wunderbare Nora Gomringer wiederzusehen. Diese Frau schreibt Gedichte. Tatsache. Außerdem leitet sie das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Wir kennen uns aus dem Studium. Jedenfalls trat sie ganz in meiner Nähe auf, beim Schamrock Festival der Dichterinnen. Da musste ich hin! Nora Gomringer stellt ganz ungeheuerliche Dinge mit Sprache an. Sie schreibt nicht nur Gedichte, sie kann sie auch vortragen, dass einem ganz anders wird. Auf ihrer Homepage steht geschrieben: „Vorsicht! Nora Gomringer könnte Sie amüsieren, irritieren, aus den richtigen Gründen zum Weinen bringen! Ist alles schon vorgekommen…“ Genau so ist es. Mich jedenfalls hat der Abend mit Nora und ihren Gedichten zum Nachdenken gebracht. Denn ich habe früher selbst gedichtet. Und zwar ständig. In meinen Germanistik-Vorlesungen, beim Lernen in der Bib, im Zug auf dem Weg in die hessische Heimat. Und natürlich bei Liebeskummer. Die meisten meiner Gedichte sind wahrscheinlich Schrott. Aber darum geht es nicht. Sondern darum, etwas mit Sprache auszuprobieren. Heute schreibe ich journalistische Stücke für die Redaktionen, die mich buchen. Das hat mit experimentieren natürlich wenig zu tun. Es ist ein bisschen schade, denn die Liebe zur Sprache war es, die mich überhaupt erst auf die Idee brachte, hauptberuflich Sätze in meinem Kopf zu bilden, um sie dann in eine Tastatur zu tippen. Weil ich aber den ganzen Tag seriöse Texte aufschreibe, mit denen ich mein Geld verdiene, habe ich abends keine Lust mehr auf Experimente.

Als ich nach Noras Lesung in der S-Bahn saß, entschied ich, wieder mehr Lyrik zu lesen. Weil Sprache in all ihren Facetten das Herz öffnen und die Seele erleichtern kann. Beispiel gefällig? Das großartige Gedicht „Du baust einen Tisch“ von Nora Gomringer kann man sich sogar ansehen:

So, und weil ich nicht so sein will, veröffentliche ich hier zum allerersten Mal zwei meiner Gedichte. Die kann man genial oder grottig finden. Aber ich habe etwas probiert. Und das ist es, worum es geht: nicht einrosten, neugierig bleiben, etwas wagen. Mit den Gedichten bin ich übrigens mal bei einem Poetry Slam aufgetreten. Keiner hat gebuht. Und am Ende hat mir sogar ein sehr netter Mensch geschrieben, wie beeindruckt er von meinem mutigen Auftritt war.

Abschied I

Entferne Dich nicht

Du bist doch hier zu haus.

Ich lege Dir meine Welt zu Füßen

Wann immer Du kannst,

betritt sie

und lege Dich an den schönsten Platz am Meer.

Ich sorge für sanfte Wellen und feinsten Sand.

Abschied II

Sei noch bei mir wenn Du gehst.

Lass meine Wärme in Dir

Und denke an meine Worte und fühle mich,

falls Du noch atmen kannst.

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Today I am thankful

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Natürlich gibt es viel zu meckern – wie schon auf dem Cover des BJVreport steht: Wir freien Journalisten verdienen wenig und arbeiten viel. Ich ergänze: wir reiben uns auf, kämpfen um Aufträge, müssen um Honorare streiten und sind oft einsam. Mit Texten Geld zu verdienen ist kein Zuckerschlecken und an manchen Tagen wünsche ich mir, ich hätte Maschinenbau oder Jura studiert. Aber dann gibt es auch Momente wie diesen. An denen ich merke, dass meine Arbeit nicht völlig für die Tonne ist. Dass meine Artikel gelesen und gesehen werden. Das macht mich ehrlich glücklich. Weil ich so viel Herzblut in meine Recherchen, Interviews und Texte stecke. Ab heute steht übrigens auch fest, dass ich tatsächlich ein Buch schreiben werde. Jetzt, da es schwarz auf weiß im BJVreport geschrieben steht, komme ich aus der Nummer nicht mehr raus. Das macht mir ein bisschen Angst, weil ein so großes Projekt vor mir liegt. Aber egal. Heute bin ich einfach nur dankbar und sonst nichts.